von Cathrin Bauer |

Women in Tech: Warum wir starke Vorbilder für echte Veränderungen brauchen

Portrait Dr. Stephanie Metzner

Gerade angesichts des aktuellen Fachkräftemangels führt an weiblichen Talenten in der IT kein Weg mehr vorbei, und dennoch bleibt die Tech-Welt nach wie vor stark männerdominiert. Umso wichtiger sind sichtbare Vorbilder, die zeigen, welche Chancen die Branche bietet, und die andere Frauen ermutigen.

Wir sprechen dazu mit Dr. Stephanie Metzner. Sie ist Sales Director, Build Ecosystem & AI Partnerships DACH bei IBM und kennt die spezifischen Herausforderungen von Frauen in der Branche aus erster Hand. Gleichzeitig engagiert sie sich als erste Vorständin beim Women in Tech e.V. für mehr Sichtbarkeit, bessere Chancen und echte Veränderung in der Tech-Welt.

Diese Kombination aus tiefem Branchen-Know-how und persönlichem Engagement macht sie zur perfekten Gesprächspartnerin. Sie spricht über ihre Erfahrungen als Quereinsteigerin, darüber, wie sich alte Strukturen im Alltag aufbrechen lassen, und was passieren muss, um mehr Frauen für diesen Weg zu begeistern.

Wie sind Sie in die Tech-Branche gekommen? Was macht dieses Feld für Sie bis heute so spannend?

Tatsächlich bin ich Quereinsteigerin. Schon während meines dualen BWL-Studiums habe ich gemerkt, wie spannend das Umfeld ist und wie viel sich durch Technik automatisieren lässt. IBM war für mich dann genau der richtige Arbeitgeber, um Technologie gezielt als Hebel zu nutzen und einen echten Impact bei Kunden und Partnern zu haben.

Was mich bis heute am meisten antreibt, ist das Thema KI, insbesondere die Frage, wie wir unseren Alltag durch ihren sinnvollen und ethisch verantwortungsvollen Einsatz vereinfachen können. Ich möchte diese Entwicklung aktiv mitgestalten.

Hatten bzw. haben Sie das Gefühl, sich als Frau in der von Männern dominierten Tech-Branche nochmal anders beweisen zu müssen?

Leider ja, gerade am Anfang als Führungskraft war ich in Meetings oft doppelt so gut vorbereitet, weil der Druck, sich zusätzlich beweisen zu müssen, bei Frauen in Führung strukturell höher ist. Zudem haben Frauen oft das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, und gelten dann schnell als zu laut oder zu emotional. Dieses ständige Beweisen der Leistung kostet enorm viel Energie – mit der Zeit nimmt das aber zum Glück ab.

Genau deshalb haben spezielle Frauentalentprogramme ihre Berechtigung, Frauen brauchen einfach einen Safe Space für den Austausch, um Dinge zu teilen, die in einer männlich geprägten Runde vielleicht gar nicht vorkommen. Es geht aber auch darum, Talente aktiv zu fördern und entsprechende Strukturen zu schaffen. Solche positiven Beispiele müssen wir viel stärker hervorheben, damit andere nachziehen und wir Frauen noch besser positionieren können.

Warum engagieren Sie sich beim Women in Tech e.V.? Was motiviert Sie, die Mission voranzutreiben – und wie gehen Sie vor?

Ich möchte die Mission: Frauen in Tech sichtbar zu machen, über IBM hinaus vorantreiben. Aktuell liegt der Frauenanteil laut McKinsey & Company (Artikel „Women in tech and AI in Europe: Can the region close its gender gap?“, März 2026) bei rund 20 Prozent und das können wir ändern.

Als Quereinsteigerin möchte ich anderen Frauen die Angst nehmen und zeigen, wie einfach erste Berührungspunkte mit der Tech-Welt sind, viele nutzen privat längst KI-Tools im Alltag, wie ChatGPT oder Claude. Mit dem Women in Tech e.V. wollen wir die Einstiegshürden in der DACH-Region abbauen: Wir organisieren Events, ermöglichen Mentoring und vermitteln, dass Tech mehr als IT ist und in vielen Branchen eine große Rolle spielt.

Als Vorständin nutze ich diese Reichweite, um über Wege in die Branche zu sprechen, mein Motto: Traut euch und probiert es einfach aus! Was kann schon passieren, außer dass man etwas Neues dazulernt und sieht, ob es einem gefällt oder nicht.

Warum sollten Frauen in der TECH-Welt arbeiten? Haben Sie Tipps für interessierte, die in die IT- oder Tech-Branche einzusteigen möchten?

Aus meiner Sicht werden in der Tech-Branche die größten gesellschaftlichen Fragen entschieden, sei es Klimaschutz, Gesundheit, Bildung oder Arbeit. Wer in diesem Umfeld arbeitet, kann wirklich etwas bewegen und mitentscheiden. Besonders durch KI entstehen gerade völlig neue Berufsbilder, sodass das Spielfeld im Moment komplett neu verteilt wird. Wo sonst gibt es so viel Flexibilität, tolle Karrieremöglichkeiten, ein gutes Gehalt und die Chance, den eigenen Arbeitsplatz selbst mitzugestalten?

Genau jetzt wird entschieden, wer auf diesem Spielfeld der Zukunft mitspielt. Mein Rat: Einfach anfangen und schauen, welche Quereinstiegsmöglichkeiten es gibt! Und: kostenlose Angebote nutzen, um sich auszuprobieren und erste Erfahrungen zu sammeln.

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